Barnabas war ein Apostel und Begleiter von Jesus Christus (F.m.i), der nach eigener Aussage die Taten und Predigten von Jesus in seinem nichtkanonischen BarnabasEvangelium aufgeschrieben hat.
Barnabas war ein Jude aus Zypern, aus dem Stamm der Leviten (Priester). 1 Sein richtiger Name war Matthias.
Matthias ist eine Variante des hebräischen Namens Matthäus. Er wurde auch Joseph oder Joses genannt (siehe Neues Testament der Bibel).
Barnabas besaß ein Stück Land in der Nähe von Jerusalem. Er verkaufte es und schenkte den Erlös der christlichen Urgemeinde, deren Mitglied er war (solche Spenden waren auch bei den Essenern Brauch). Aufgrund seiner Hingabe für die Sache Jesu gaben ihm die anderen Apostel den Beinamen Barnabas, was unterschiedlich übersetzt wird als „Sohn des Trostes“ oder „Sohn der Ermahnung“. 2
Er war ein erfolgreicher Prediger mit anziehender Persönlichkeit. Jeder, der unter dem Konflikt zwischen den verschiedenen Gruppen litt, fand Trost und Frieden bei ihm. Sein Ansehen als ein Mann, der Jesus nahe gestanden hatte, machte ihn zu einem prominenten Mitglied der kleinen Gruppe von Jüngern in Jerusalem, die sich nach dem Weggang Jesu dort versammelt hatten. Sie hielten das Gesetz der Thora und der Propheten, da Jesus gekommen war, nicht um das Gesetz zu zerstören, sondern zu erfüllen, das heißt, es zu praktizieren, zu lehren und zu säubern. 3
Sie lebten weiter als Juden und folgten den Lehren Jesu. Dass das Christentum jemals als neue Religion angesehen werden würde, konnte keiner von ihnen sich vorstellen. Sie waren fromme und praktizierende Juden und unterschieden sich von den anderen Juden nur durch ihren Glauben an die Botschaft Jesu.
Am Anfang hatten sie sich noch nicht als separate Sekte organisiert, und sie hatten auch keine eigene Synagoge. Es gab in der Botschaft Jesu, wie sie sie verstanden, nichts, was einen Bruch mit dem Judentum erfordert hätte. Jedoch zogen sie sich die Feindschaft der jüdischen Tempelführer zu. Der Konflikt zwischen den Juden und den Anhängern Jesu ging von den Juden aus, vor allem von den Führern des Tempels von Jerusalem, die Marionetten des römischen Regimes geworden waren. Diese fürchteten, dass die Anhänger Jesu ihre Autorität unterhöhlen könnten.
Barnabas wurde von der Urgemeinde als eine Art Inspektor eingesetzt, der für den Aufbau einer soliden Verbindung der schon existierenden Gemeinde in Antiochia und der Muttergemeinde in Jerusalem zu sorgen hatte. Er ließ sich auf Dauer dort nieder und missionierte erfolgreich.
Es entstand eine blühende Gemeinde in Antiochia. Damals war Antiochia die Hauptstadt von Syrien und mit mehr als 500.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt der damals bekannten Welt. Sie liegt im Südosten der Türkei, an der Westgrenze des heutigen Syrien, und heißt heute Antakya.
Paulus von Tarsus hat sich ca. um das Jahr 32 zum Judenchristentum bekehrt. Im Auftrag des Hohepriesters von Jerusalem war er auf dem Weg nach Damaskus, um die dorthin geflüchteten ersten Christen zu verhaften und ins Gefängnis zu werfen. Nach seiner Aussage hatte er auf diesem Weg ein wundersames Erlebnis, das ihn veranlasste, sich zu bekehren.
Drei Jahre später kam er nach Jerusalem, um die Apostel zu besuchen und um seine Aufnahme in die Urgemeinde zu erbitten. Die Jünger Jesu hegten zuerst großes Misstrauen gegen ihn, weil er Christen verfolgt hatte. Der Apostel Barnabas griff jedoch vermittelnd ein und half Paulus, damit er aufgenommen wurde.
Später holte Barnabas den Paulus als Gehilfen nach Antiochia. 4 Sie arbeiteten eine Zeit lang zusammen. Paulus unternahm seine erste Missionsreise nach Griechenland gemeinsam mit seinem Vorgesetzten Barnabas. Vor der zweiten Missionsreise des Paulus trennten sie sich, hauptsächlich wegen theologischer Meinungsverschiedenheiten. 5
Denn Paulus hatte inzwischen eine neue Theologie entwickelt, die dem streng monotheistischen Glauben der ersten Anhänger Jesu fremd war. Paulus hatte den Polytheisten (Heiden) gepredigt, dass Jesus der Sohn Gottes sei, der am Kreuz starb, um die Sünden der Menschen auf sich zu nehmen und der wieder von den Toten auferstanden sei.
Paulus wollte dem Urchristentum unbedingt das Glaubensfundament der Griechen aufpfropfen, denn deren Vorstellungen ähnelten sehr seinen Lehren.
Barnabas und die anderen Judenchristen warfen Paulus vor, dass er angefangen habe, eine andere Religion zu propagieren, die nicht mit den Lehren von Jesus übereinstimme.
Aber Paulus wollte seine Theologie, die er von den Griechen entlehnt hatte, nicht aufgeben.
Dieses Bekenntnis des Paulus erzeugte eine große Empörung unter den Anhängern von Jesus, weil sie darin eine Gotteslästerung höchsten Grades und einen schweren Verstoß gegen das Gesetz der Thora und einen Rückfall in den Polytheismus (Heidentum) sahen. Dies hat einen großen Streit mit Paulus und seinen Anhängern ausgelöst und schließlich zur Spaltung der christlichen Urgemeinde in zwei Hauptgruppen mit gegensätzlichem Glauben geführt: Auf der einen Seite standen die Judenchristen, die an den Einzigen Gott glaubten. Für sie ist Jesus ein sterblicher Mensch, ein Prophet und der Messias. Sie folgten seiner Lehre und dem Gesetz der Thora. Barnabas und die anderen Apostel gehörten dazu.
Auf der anderen Seite stand Paulus mit seinen Anhängern, die hauptsächlich bekehrte Polytheisten (Heiden) waren, die die Doktrin des Paulus akzeptierten, weil ihnen diese Denkweise aus ihren früheren Religionen geläufig war. Paulus predigte das Gegenteil von Jesus, denn er lehnte das Gesetz der Thora ab.
Nach der Spaltung der Urkirche hat sich Barnabas dem Petrus angeschlossen, und sie reisten zusammen im Nahen Osten, um das streng monotheistische Judenchristentum zu predigen.
Auch Jesus hat betont, dass das fundamentale Gesetz der Thora unbedingt eingehalten werden müsse. Er war selber ein Lehrer der Thora und hatte nicht die Absicht, sie abzuschaffen. Hier sind seine Worte aus dem Neuen Testament:
„Meinet nicht, daß ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, wird nicht ein einziges Jota oder Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. Wer nun eins dieser kleinsten Gebote auflöst und die Menschen so lehrt, wird der Kleinste heißen im Reich der Himmel. Wer sie aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Reich der Himmel“ (Matth. 5:17-19).
„Es ist aber leichter, daß der Himmel und die Erde vergehen, als daß ein Strichlein des Gesetzes dahinfalle“ (Lukas 16:17).
Eine kurze Zusammenfassung der Geschichte des Barnabas-Evangeliums:
Das Barnabas-Evangelium war früher eine Bibel der Judenchristen oder Ebioniten (Nazaräer) und wurde als offizielles Evangelium in den Kirchen von Alexandria akzeptiert. 1
Der Kirchenlehrer Irenäus (130-208 n. Chr.) zitierte zur Unterstützung einiger seiner Ansichten ausführlich aus dem Barnabas-Evangelium.
Im Jahr 382 n. Chr., während der Regierungszeit des römischen Kaisers Theodosius I., wurden durch ein Dekret der Westkirche unter Papst Damasus I. die Evangelien von Jakobus und von Barnabas verboten. Dieser Papst sicherte eine Kopie des Barnabas-Evangeliums und bewahrte sie in seiner Privatbibliothek auf.
Im Jahr 478, im vierten Jahr der Regierungszeit des römischen Kaisers Zenon I. (474-491 n. Chr.), wurden die sterblichen Überreste von Barnabas entdeckt. Auf seiner Brust fand man eine Kopie des Barnabas-Evangeliums, das von seiner eigenen Hand geschrieben war (siehe Acta Sanctorum Boland Junii Band II, S. 422 und 450, Antwerpen 1698).
Nach seiner Entdeckung wurde das Buch oder eine Kopie davon bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts in der kaiserlichen Schatzkammer in Konstantinopel aufbewahrt.
Kaiser Heraklius I. (Regierungszeit 610-641 n. Chr.), der ein Zeitgenosse des Propheten Muhammad (F.m.i.) war, hat es ebenfalls besessen.
Im Jahr 1204 n. Chr. wurde die kaiserliche Schatzkammer in Konstantinopel von den Kreuzfahrern ausgeplündert und die Reliquien und Manuskripte nach Westen verschleppt.
Seit dieser Zeit war das Barnabas-Evangelium verschollen, bis zum Erscheinen einer altitalienischen Übersetzung im 16. Jahrhundert, die heute noch vorhanden ist.
Von einer griechischen Version des Barnabas-Evangeliums wurde nur ein einziges Fragment gefunden, der Rest ist verbrannt.
Einige Passagen der berühmten Vulgata-Bibel scheinen auf diesem Evangelium zu basieren.
Im 16. Jahrhundert tauchte eine Kopie des Barnabas-Evangeliums in altitalienischer Sprache wieder auf. Papst Sixtus V. (von 1585 bis 1590 n. Chr.) hatte einen Freund namens Fra Marino. Dieser fand das Buch in der privaten Bibliothek dieses Papstes und hat es herausgeschmuggelt, da er vorher die Schriften des Irenäus gelesen hatte, in denen das Barnabas-Evangelium ausführlich zitiert wurde. Zur Zeit von Irenäus wurde dieses Buch zwar auch schon abgelehnt, aber nicht so stark wie heute, denn der darin angekündigte Prophet war noch nicht erschienen und zu einer Konkurrenz für die etablierte Kirche geworden.
Dieser altitalienische Text des Barnabas-Evangeliums wurde 1907 in englischer Sprache veröffentlicht, die Übersetzung stammt von Lansdale und Laura Ragg. Davon gibt es nur noch zwei Kopien, eine davon im Britischen Museum.
Es gibt auch eine deutsche Übersetzung des Barnabas-Evangeliums 6 von Safiyya M. Linges (1994), ihr liegt ebenfalls das altitalienische Manuskript zugrunde. Sie ist im SpohrVerlag in Kandern (Schwarzwald) erschienen, unter dem Titel „Das Barnabas-Evangelium“.
Das Barnabas-Evangelium ist wesentlich umfangreicher als die vier kanonischen Evangelien zusammen und enthält viele Predigten von Jesus, die nicht im Neuen Testament der Bibel enthalten sind. Die Reden Jesu sind vollständig wiedergegeben, sie sind nicht abgehackt und nicht aus dem Zusammenhang gerissen, wie das manchmal bei den Evangelien des Neuen Testaments der Fall ist.
Das Buch ist sehr lehrreich, aber die christlichen Kirchen wollen es nicht akzeptieren. Sie sind der Meinung, dass dieses Evangelium eine Fälschung aus dem Mittelalter sei. Sie haben große Angst vor dem Zeugnis des Barnabas, weil in seinem Buch steht, dass nicht Jesus, sondern Judas Ischariot an seiner Stelle gekreuzigt wurde. Sein Zeugnis ist für das etablierte paulinische Christentum sehr gefährlich, denn ohne Kreuzigung keine Auferstehung und keine Existenzgrundlage für das Christentum, das Paulus von Tarsus gelehrt hat.
Der Religionsforscher Shlomo Pines ist der Meinung, dass das altitalienische Manuskript des Barnabas-Evangeliums keine Fälschung ist.
Er schreibt, das mittelalterliche Manuskript sei möglicherweise der Nachfahre eines älteren orientalischen Originals. Er hat herausgefunden, dass der arabische Universalgelehrte Al-Biruni (973-1048 n. Chr.) in seinem Werk Athâr-ul bâkiya ein judenchristliches Evangelium erwähnt hat, das die Manichäer benutzten. Diese betrachteten es als das wahre „Evangelium der Zwölf Apostel“. Von diesem Evangelium gab es eine arabische Abschrift, die „Evangelium der Siebzig“ genannt wurde und einem gewissen „Balamis“ oder „Balamas“ zugeschrieben wird. Pines identifiziert ihn als eine möglicherweise verderbte Form des Namens „Barnabas“. Hier ist die Übertragung dieser Namen ins Arabische: برنابس = Barnabs und بالمس = Balams.
Die Entdeckung des Kölner Mani-Kodex im Jahre 1969 bestätigte die Vermutung von Pines insofern indirekt, als Mani tatsächlich aus einem stark judenchristlich geprägten Umfeld stammte (seit seinem 4. Lebensjahr). 7
Es ist bekannt, dass die Manichäer und die Judenchristen bzw. Ebioniten einen neuen Propheten erwartet haben.
Es ist in diesem Kontext auch noch wichtig zu erwähnen, dass die Judenchristen seit der Machtübernahme des römischen Kaisers Theodosius I. im 4. Jahrhundert stark verfolgt wurden, daher haben sie ihren Glauben und ihre Schriften vor der Öffentlichkeit geheim gehalten, um Repressalien seitens der Regierenden zu vermeiden. Deshalb ist es auch schwierig, Schriften von ihnen zu finden.
Literatur:
1 Barnabas, Internet:
www.barnabas.net/lifebarnabas.htm.
2 Bibel: Apg. 4:36.
3 Bibel: Matth. 5:17.
4 Barnabas, Internet:
www.schwarzaufweiss.de/Nordzypern/ barnabas.htm.
5 Clementinische Homilien, Buch 1.
6 Barnabas-Evangelium, deutsche Übersetzung von Safiyya M. Linges, Spohr-Verlag (1994),
(ISBN 3-927606-02-2 gebunden und ISBN 3-927606-30-8 kartoniert).
7 Shlomo Pines, The Jewish Christians of the early centuries of Christianity according to a new
source.
Die Grundschrift-Theorie, Internet: www.barnabas-evangelium.de/die –grundschrift-theorie/.